Biebergemünd, 15.02.2012 (rpn). Anlässlich verheerender Zahlen von Straßenkindern, Kindestötungen, Kindesmissbrauch, Gewalt an Kindern und Kinderverwahrlosung sind alle am Erziehungs- und Sozialisationsprozess beteiligten gesellschaftlichen Organisation in der Pflicht für Bedingungen im Umfeld von Kindern zu sorgen, die es Kindern ermöglichen angst- und sorgenfrei in kindgerechten Umständen aufzuwachsen. Doch Politiker aller Couleur handeln ausschließlich pragmatisch und strafen alle Eltern gleichermaßen mit ihren überhasteten Maßnahmen zum Schutze der Kinder und zur Gängelung verantwortungsbewusster Eltern ab, anstatt dort hinreichend alle gesetzlichen Mittel zu hundert Prozent auszuschöpfen, wo das Kind bereits in einem auffällig kinderfeindlichen Umfeld aufwächst und dort die Erwachsenen zur Rechenschaft zieht und die Kinder schützt.
In Deutschland sterben jedes Jahr Kinder an Misshandlungen und Verwahrlosung weil Politiker, Familien, Jugendämter, Gerichte, Kindergärten, Schulen, Medien und Peer-Goups versagen. Politiker versagen, weil sie hauptsächlich an den Interessen der Wirtschaft interessiert sind anstatt an der Umsetzung einer humanistisch geprägten Sozialpolitik. Eltern versagen, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Jugendämter versagen, weil sie aufgrund finanzieller Erwägungen und mit dem KJHG im Rücken Kinder bevorzugt in kaputten Familien belassen anstatt sie aus ihnen herauszuholen. Gerichte versagen, weil Richter ihre Urteile mit einem Auge auf Gutachten und mit dem anderen Auge auf ihre Beförderung stützen. Kindergärten versagen weil sie für solche Fälle nicht genügend ausgebildet sind und an Kompetenzgrenzen stoßen. Schulen versagen, weil sie entsprechend der bürokratischen Vorgaben den Lerndruck weitergeben müssen. Medien versagen, weil sie sich hinter ihrer vermeintlichen überparteilichen Informationspflicht verstecken und insgeheim doch auf die Sensationsstory lauern. Peer-Groups versagen, weil es in der unverbindlichen Informationswelt keine verlässlichen Freundschaftsstrukturen mehr gibt. Dies sind zwar nur punktierte und stereotypisierte Beschreibungen eines komplexen Sachverhalts, aber bei näherer Betrachtung kämen noch ganz andere, weitere Ursachen für das Versagen gesellschaftlicher Gruppierungen zum Vorschein.
Der Tod und Misshandlungen von Kindern regt alle furchtbar auf. Plötzlich rennen sämtliche selbsternannten Verantwortlichen los und setzen sich hektisch und medienwirksam an runde Tische um übereilt scheinbar bzw. vermeintlich notwendige und in ihrer Wirksamkeit unüberlegte Handlungsstrategien in Ausschüssen und deren Untergremien entwickeln zu lassen. Am Ende kommen aufgeblähte Wortblasen über die Lippen der Sozialsheriffs die beschwichtigend klingen, in der Sache nichts bewirken und an den Zuständen aller gesellschaftlichen Institutionen nichts verändern: Politiker werden weiterhin Wasserträger der Konzerne sein, anstatt der Wirtschaft die Augen für ihre Arbeitszeit- und Familienpolitik zu öffnen. Familien mit Kindern werden sich weiterhin mit den kinderfeindlichen Alltagssorgen herumplagen müssen, anstatt die notwendige Zeit für die vertrauensbildende Umsorgung ihres Nachwuchses aufbringen zu können. In Jugendämtern werden weiterhin Verwaltungsfachwirte und Sozialarbeiter mit unterentwickelter Sozialcourage sitzen, um bloß nicht gegen die Einsparpolitik ihrer Bosse oder gegen unsinnige Gesetze opponieren zu müssen und leiten diesen Frust weiter im mangelnden Engagement gegenüber ihren schutzbefohlenen Kindern. In den Gerichtssälen werden weiterhin Richter ohne wirkliche Sachkompetenz sitzen, sie sich lieber auf von allen Beteiligten manipulierbare Gutachten stützen, um ohne großen zeitlichen Aufwand und inhaltlichen Widerstand in die nächst höhere Gehaltsgruppe zu gelangen, anstatt mit Eigeninitiative, Interesse, Menschenkenntnis und Sachkompetenz strukturelle Machenschaften von Tätern aufzudecken. In Kindergärten wird weiterhin bei blauen Flecken weggeschaut, weil man in diesen Etagen von der Angst beseelt ist, eventuell falsch reagiert zu haben, anstatt sich professionell in einem Gespräch mit Eltern, Ärzten und Psychologen darüber zu informieren, in welchem Zusammenhang die einen oder anderen Blessuren zustande gekommen sein könnten. In Schulen werden sozialpädagogisch engagierte Lehrer weiterhin von ihren Kollegen und Vorgesetzten auf ihren Lehrauftrag hingewiesen und zurechtgestutzt, anstatt ihnen freiere Hand im Umgang mit potenziellen Problemfällen zu ermöglichen. Die Medien werden weiterhin lieber nach Schuldigen an Problematiken suchen und diese anprangern, weil es die Verkaufszahlen erhöht, anstatt sich über die eigene Rolle im Aufklärungsprozess bezüglich der Ursachen für Verbrechen an der Kindheit Gedanken zu machen. Die Peer-Group wird weiterhin lediglich an der Aneignung aktueller Modeerscheinungen interessiert sein, anstatt echtes und verantwortungsbewusstes Interesse an Freundschaften zu entwickeln. Die von hilflosen und lebensfremden Politikern zur Legitimation ihrer eigenen Macht installierte sinnlose Kindervorsorgeuntersuchung wird weiterhin rechtschaffende Eltern mit schriftlichen Untersuchungseinladungen wie Schwerverbrecher gängeln und inkompetenten oder kriminellen Eltern in der Zeit zwischen den einzelnen Us die Gelegenheit generieren, ihre Kinder munter weiter zu schänden und für die jeweilige kinderärztliche Untersuchung entsprechend zu präparieren, nur damit hier nichts Auffälliges zum Vorschein kommt. Dabei würde ein Umdenken bezüglich der herrschaftlich-hierarchischen Gesellschaftsstrukturen in öffentlichen Amtsstuben und Firmen bereits merklich dazu beitragen, dass Eltern in einem kombinierten leistungs- und bedarfsorientierten beruflichen und privaten Selbstbestimmungsprozess wesentlich mehr konstruktive Ressourcen für das Aufziehen ihrer Kinder aufbringen könnten, ohne auf Konkurrenzdenken basierenden Versagensängsten oder ein durch Leistungsdruck entstandenes Burn-Out mit ihren vertrauenzerstörenden Folgen. Wären die Menschen aller gesellschaftlicher Bereiche bereit, mehr von ihrem Kontroll- und Leistungszwang gegen eine auf gegenseitiges Vertrauen aufbauende gesunde Gelassenheit einzutauschen, dann würden von dieser neuen spirituell-konstruktiven Haltung auch unsere Kinder in ihrer geistigen, körperlichen, emotionalen, sozialen und moralischen Entwicklung profitieren.
Aber leider werden sich die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen mit ihrer kalten Kommunikations- und Interaktionsstruktur so schnell nicht ändern, weil die Menschen nicht bereit sind, Besitzstände und Macht mit anderen zu teilen oder gar an andere abzugeben. Und so werden in Deutschland weiterhin Kinder an Misshandlungen und Verwahrlosungen seelisch und körperlich sterben. Risikowissenschaftler sprechen dann von Restrisiko, damit sich am Ende niemand wirklich verantwortlich für diese Misslage fühlen muss. Armer Nachwuchs mit verlorener Kindheit!
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© 02/2012 by NUNI-NEWS – Ralf-Peter Nungäßer
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