Verlorene Kindheit

Biebergemünd, 15.02.2012 (rpn). Anlässlich verheerender Zahlen von Straßenkindern, Kindestötungen, Kindesmissbrauch, Gewalt an Kindern und Kinderverwahrlosung sind alle am Erziehungs- und Sozialisationsprozess beteiligten gesellschaftlichen Organisation in der Pflicht für Bedingungen im Umfeld von Kindern zu sorgen, die es Kindern ermöglichen angst- und sorgenfrei in kindgerechten Umständen aufzuwachsen. Doch Politiker aller Couleur handeln ausschließlich pragmatisch und strafen alle Eltern gleichermaßen mit ihren überhasteten Maßnahmen zum Schutze der Kinder und zur Gängelung verantwortungsbewusster Eltern ab, anstatt dort hinreichend alle gesetzlichen Mittel zu hundert Prozent auszuschöpfen, wo das Kind bereits in einem auffällig kinderfeindlichen Umfeld aufwächst und dort die Erwachsenen zur Rechenschaft zieht und die Kinder schützt.

In Deutschland sterben jedes Jahr Kinder an Misshandlungen und Verwahrlosung weil Politiker, Familien, Jugendämter, Gerichte, Kindergärten, Schulen, Medien und Peer-Goups versagen. Politiker versagen, weil sie hauptsächlich an den Interessen der Wirtschaft interessiert sind anstatt an der Umsetzung einer humanistisch geprägten Sozialpolitik. Eltern versagen, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Jugendämter versagen, weil sie aufgrund finanzieller Erwägungen und mit dem KJHG im Rücken Kinder bevorzugt in kaputten Familien belassen anstatt sie aus ihnen herauszuholen. Gerichte versagen, weil Richter ihre Urteile mit einem Auge auf Gutachten und mit dem anderen Auge auf ihre Beförderung stützen. Kindergärten versagen weil sie für solche Fälle nicht genügend ausgebildet sind und an Kompetenzgrenzen stoßen. Schulen versagen, weil sie entsprechend der bürokratischen Vorgaben den Lerndruck weitergeben müssen. Medien versagen, weil sie sich hinter ihrer vermeintlichen überparteilichen Informationspflicht verstecken und insgeheim doch auf die Sensationsstory lauern. Peer-Groups versagen, weil es in der unverbindlichen Informationswelt keine verlässlichen Freundschaftsstrukturen mehr gibt. Dies sind zwar nur punktierte und stereotypisierte Beschreibungen eines komplexen Sachverhalts, aber bei näherer Betrachtung kämen noch ganz andere, weitere Ursachen für das Versagen gesellschaftlicher Gruppierungen zum Vorschein.

Der Tod und Misshandlungen von Kindern regt alle furchtbar auf. Plötzlich rennen sämtliche selbsternannten Verantwortlichen los und setzen sich hektisch und medienwirksam an runde Tische um übereilt scheinbar bzw. vermeintlich notwendige und in ihrer Wirksamkeit unüberlegte Handlungsstrategien in Ausschüssen und deren Untergremien entwickeln zu lassen. Am Ende kommen aufgeblähte Wortblasen über die Lippen der Sozialsheriffs die beschwichtigend klingen, in der Sache nichts bewirken und an den Zuständen aller gesellschaftlichen Institutionen nichts verändern: Politiker werden weiterhin Wasserträger der Konzerne sein, anstatt der Wirtschaft die Augen für ihre Arbeitszeit- und Familienpolitik zu öffnen. Familien mit Kindern werden sich weiterhin mit den kinderfeindlichen Alltagssorgen herumplagen müssen, anstatt die notwendige Zeit für die vertrauensbildende Umsorgung ihres Nachwuchses aufbringen zu können. In Jugendämtern werden weiterhin Verwaltungsfachwirte und Sozialarbeiter mit unterentwickelter Sozialcourage sitzen, um bloß nicht gegen die Einsparpolitik ihrer Bosse oder gegen unsinnige Gesetze opponieren zu müssen und leiten diesen Frust weiter im mangelnden Engagement gegenüber ihren schutzbefohlenen Kindern. In den Gerichtssälen werden weiterhin Richter ohne wirkliche Sachkompetenz sitzen, sie sich lieber auf von allen Beteiligten manipulierbare Gutachten stützen, um ohne großen zeitlichen Aufwand und inhaltlichen Widerstand in die nächst höhere Gehaltsgruppe zu gelangen, anstatt mit Eigeninitiative, Interesse, Menschenkenntnis und Sachkompetenz strukturelle Machenschaften von Tätern aufzudecken. In Kindergärten wird weiterhin bei blauen Flecken weggeschaut, weil man in diesen Etagen von der Angst beseelt ist, eventuell falsch reagiert zu haben, anstatt sich professionell in einem Gespräch mit Eltern, Ärzten und Psychologen darüber zu informieren, in welchem Zusammenhang die einen oder anderen Blessuren zustande gekommen sein könnten. In Schulen werden sozialpädagogisch engagierte Lehrer weiterhin von ihren Kollegen und Vorgesetzten auf ihren Lehrauftrag hingewiesen und zurechtgestutzt, anstatt ihnen freiere Hand im Umgang mit potenziellen Problemfällen zu ermöglichen. Die Medien werden weiterhin lieber nach Schuldigen an Problematiken suchen und diese anprangern, weil es die Verkaufszahlen erhöht, anstatt sich über die eigene Rolle im Aufklärungsprozess bezüglich der Ursachen für Verbrechen an der Kindheit Gedanken zu machen. Die Peer-Group wird weiterhin lediglich an der Aneignung aktueller Modeerscheinungen interessiert sein, anstatt echtes und verantwortungsbewusstes Interesse an Freundschaften zu entwickeln. Die von hilflosen und lebensfremden Politikern zur Legitimation ihrer eigenen Macht installierte sinnlose Kindervorsorgeuntersuchung wird weiterhin rechtschaffende Eltern mit schriftlichen Untersuchungseinladungen wie Schwerverbrecher gängeln und inkompetenten oder kriminellen Eltern in der Zeit zwischen den einzelnen Us die Gelegenheit generieren, ihre Kinder munter weiter zu schänden und für die jeweilige kinderärztliche Untersuchung entsprechend zu präparieren, nur damit hier nichts Auffälliges zum Vorschein kommt. Dabei würde ein Umdenken bezüglich der herrschaftlich-hierarchischen Gesellschaftsstrukturen in öffentlichen Amtsstuben und Firmen bereits merklich dazu beitragen, dass Eltern in einem kombinierten leistungs- und bedarfsorientierten beruflichen und privaten Selbstbestimmungsprozess wesentlich mehr konstruktive Ressourcen für das Aufziehen ihrer Kinder aufbringen könnten, ohne auf Konkurrenzdenken basierenden Versagensängsten oder ein durch Leistungsdruck entstandenes Burn-Out mit ihren vertrauenzerstörenden Folgen. Wären die Menschen aller gesellschaftlicher Bereiche bereit, mehr von ihrem Kontroll- und Leistungszwang gegen eine auf gegenseitiges Vertrauen aufbauende gesunde Gelassenheit einzutauschen, dann würden von dieser neuen spirituell-konstruktiven Haltung auch unsere Kinder in ihrer geistigen, körperlichen, emotionalen, sozialen und moralischen Entwicklung profitieren.

Aber leider werden sich die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen mit ihrer kalten Kommunikations- und Interaktionsstruktur so schnell nicht ändern, weil die Menschen nicht bereit sind, Besitzstände und Macht mit anderen zu teilen oder gar an andere abzugeben. Und so werden in Deutschland weiterhin Kinder an Misshandlungen und Verwahrlosungen seelisch und körperlich sterben. Risikowissenschaftler sprechen dann von Restrisiko, damit sich am Ende niemand wirklich verantwortlich für diese Misslage fühlen muss. Armer Nachwuchs mit verlorener Kindheit!

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Mit Kinderlosensteuer gegen den Geburtenrückgang?

Biebergemünd, 15.02.2012 (rpn). Der neue Coup der Christlich Demokratischen Union eine Kinderlosensteuer einführen zu wollen, um die Sozialversicherungssysteme, hier insbesondere das Rentensystem, finanzieren zu können sorgt im Lande für Aufregung in allen gesellschaftlichen Schichten. Bei aller nun folgenden polarisierenden Polemik, die in der öffentlichen Diskussion um dieses Thema entsteht stellt sich die sachliche Frage in den Vordergrund, ob diese Forderung tatsächlich zu einer die Sozialkassen gesundenden Geburtenerhöhung führt.

Die Deutschen sterben aus. Diese Tatsache lässt sich beim Statistischen Bundesamt zum Thema Geburtenraten der letzten Jahre statistisch belegen. Seit Jahren nimmt die Zahl der neugeborenen Deutschen kontinuierlich ab. Wenn das so weiter geht, dann verzeichnen wir in den nächsten 50 Jahren eine bedrohliche Nullgeburtenrate. Der letzte Deutsche kann dann im Land das Licht ausmachen – klick… Alle von der Politik installierten Steuerungsmaßnahmen gegen diesen Trend haben nicht zum gewünschten Effekt zur Steigerung der Kinderfreundlichkeit gepaart mit einer Geburtenerhöhung geführt: Betriebe mit familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen konnten bislang nicht dafür sorgen, dass die Doppelbelastung von Frauen abnahm. Das Kindergeld konnte noch nie die stetig steigende Teuerungsrate der Lebenshaltungskosten durch eine gierige Wirtschaftswelt adäquat abfedern. Allgemeine Kostenvergünstigungen öffentlicher Freizeitangebote für Familien werden jedoch von den attraktiveren Privatanbietern von Freizeitevents nicht angeboten, so dass an dieser Stelle eine effektive Entlastung für Familien ausbleibt. Die breite Angebotspalette an familienbildenden Seminaren hat letztlich auch nur dazu geführt, gesellschaftsimmanente Erziehungs- und Sozialisationsprobleme auf die Eltern als Multiplikatoren für Problemlösungen als Zusatzbelastungen abzuwälzen. Die Einführung des einjährigen Elterngeldes hat die Frage der Zeit nach dem Elterngeldbezug nicht befriedigend für Eltern beantworten können. Die Abgabe der Kinder an die Erziehungs- und Sozialisierungsinstitutionen für mehr Wochenstunden als das Wochenende an Freizeit anbietet, lässt Menschen im Vorfeld die berechtigte Frage aufkommen, wozu man dann noch eigene Kinder haben sollte? Hinzu kommen zusätzlich lebensbelastende Bedingungen im Land, welche nicht gerade konstruktiv zu einem erhöhten Kinderwunsch bei den Menschen beiträgt: Die arbeitsmarktliberalisierende Billiglohnpolitik im Lande hat zu einer tiefen Verunsicherung bei den Lebensperspektiven und Lebensplanungen der Menschen geführt. Die durch ein überzogenes Qualitätsmanagement stetig steigenden Anforderungen an die Professionalität der Berufstätigen lässt diesen Menschen keine Zeit mehr zum Durchatmen. Eine zunehmende Subsidiarisierung von Organisationsprozessen auf die Elternschaft wie beispielsweise die Übernahme von Schullehrmittel oder Unterrichtsübernahme von Eltern hat zur Folge, dass die Menschen nicht mehr Entlastung durch das Gemeinwesen wahrnehmen, sondern eine zunehmende Zusatzbelastung in den Fokus der Betrachtungen rückt, die in dieser Weise auf Inakzeptanz stößt. Die säkulare Politik, die Wirtschaft und die Kirchen schränken die Menschen im Land durch dessen lebensfremden Verordnungen, Anweisungen und Gesetzen in ihrer Freiheit derart ein, dass kreativen, innovativen, spirituellen und erfindungsreichen Menschen jeglicher Antrieb für die Übernahme von Verantwortung für eigenen Nachwuchs genommen wird. Unter diesen Umständen kommt eine Forderung nach einer Kinderlosensteuer gerade Recht, um dem mangelnden Kinderwunsch weiterhin Vorschub zu leisten. Die Diskussion der Bestrafung einer gesellschaftlichen Gruppierung mit den Vorstellungen ihrer spezifischen Lebensentwürfe spaltet die Gesellschaft in Menschen mit falschen und richtigen Lebensvorstellungen. Es ist unter den oben genannten Umständen prognostisch nicht davon auszugehen, dass die Einführung einer bürgerbevormundenden Kinderlosensteuer die kinderlosen Menschen davon überzeugt Kinder in die Welt zu setzen. Und wie sage ich es später meinem Kinde? Etwa: Ich habe dich nur deshalb bekommen, weil der Staat mich sonst bestraft hätte! Das sind ja nicht gerade liebevolle und kinderfreundliche Zukunftsperspektiven… Letztlich brauchen wir ein Modell bei dem Mütter und Väter freiheitlich und eigenständig entscheiden können wie sie ihr Familienmodell leben möchten. Hierzu gehört die Bereitschaft aller wirtschaftlichen und öffentlichen Organisationen, sich auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzustellen. Das heißt weg von einer reinen Profitorientierung mit fremdbestimmten Arbeitsrechtregelungen hin zu einem Kooperations- und Beteiligungssystem was allen Mitarbeitern die Möglichkeit einräumt flexibel auf Beruf und Familie zu reagieren. In diesem Sinne können Leistungsbezahlungen mit bedarfsorientierten Lohnbezügen kombiniert werden, wodurch Familien mit Kindern eine andere Lohnberechnung haben als ein Single. Zu neuen und alternativen Wirtschaftsmodellen zugunsten einer initiierten Familien- und Kinderfreundlichkeit fehlt jedoch der politische Wille, weil es für die herrschenden Machtsysteme bequemer ist mit den bestehenden wirtschaftlichen und bürokratischen Mitteln Menschen zu steuern anstatt in ihnen die konstruktive Selbstbestimmung zu fördern, was am Ende allen gesellschaftlichen Gruppierungen gleichermaßen zugute kommen und in Folge dessen auch wieder für einen Geburtenboom sorgen würde. Wer braucht da noch eine Kinderlosensteuer?

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Bildungsnotstand geht weiter!

Biebergemünd (rpn) 14.02.2012. Der Bildungsnotstand am Gelnhäuser Grimmelshausen-Gymnasium geht weiter:  Bereits am 15.08.2010 berichtete NUNI-NEWS in einem Artikel von diesem Bildungsnotstand (siehe URL: http://www.nungaesser.homepage.t-online.de/Artikel/Ralf-Peter_Nungaesser_Bildungsnotstand_I.pdf). Während früher bereits am Gelnhäuser Grimmelshausen-Gymnasium Unterrichtsstunden gestrichen wurden, wie 2010 der Kunstunterricht, herrscht nun seit einiger Zeit ein weiterer Bildungsnotstand im Englischunterricht der Klasse 8.2 durch häufigen Ausfall der Englisch-Lehrerin.

Nachdem der Englischunterricht der Klasse 8.2 bereits im 1. Halbjahr des Schuljahres 2011/2012 – von einem Elternteil schriftlich nachgewiesen – mit 60% Ausfall im zeitlichen und inhaltlichen Hintertreffen liegt, haben alle Versuche von Seiten der Elternschaft, die verantwortlichen Akteure der Schule zu einer Änderung dieses unhaltbaren Zustandes zu bewegen, nicht gefruchtet. Der Schulleitung sei dieses Problem zwar bekannt, aber gut unterrichtete Kreise aus der Elternschaft ließen durchsickern, dass die Schule die Sachlage so beurteile, dass es sich zum einen lediglich um einen 40%en Unterrichtsausfall handele und die Administration in diesem Fall erst dann tätig werden wolle, wenn genügend Eltern offiziell zu diesem Vorgang schriftlich Stellung bezögen.

Es ist erstaunlich, dass in Zeiten schlechter Noten für Deutschlands Bildungslandschaft Schuladministrationen Missstände in Verwaltung und Unterricht allein auf die Elternschaft abwälzen. Kranke Lehrer, Unterrichtsausfälle, fehlende Schulmaterialien oder Mangelzustände aller Art sind systemimmanent und liegen einzig im Verantwortungsbereich der Schulen und nicht der Eltern. Eltern von Schulkindern sind Steuerzahler, die sich darauf verlassen müssen, dass das Schulsystem funktioniert und dürfen nicht auch noch als Instrument für eine verfehlte Schulpolitik in den Kultusministerien, Schulämtern und Schulen missbraucht werden. Missstände an Schulen zu beseitigen zum Wohle der Kinder ist die primäre Hoheitspflicht der Schuladministration. Hier kann sich die Schule nicht aus der Verantwortung stehlen. Würden in der freien Wirtschaft firmeninterne Missstände auf die Kunden abgewälzt werden, hätten diese Firmen im Wirtschaftwettbewerb keine Überlebenschancen.

Der Erziehungswissenschaftler und siebenfache Vater, Ralf-Peter Nungäßer, beobachtet eine zunehmende Privatisierungstendenz nach dem Subsidiaritätsprinzip des gesamten Regelschulbetriebs, bei dem alle operativen Schulangelegenheiten immer mehr auf das Organisationsgeschick der Elternbeiräte, Eltern oder Fördervereine abgewälzt werden. Nicht nur für Eltern steigende Kosten beim Lernmaterial weisen auf diese Tendenz hin, sondern auch unsinnige Unterschriftaktionen von Eltern zur Geltendmachung von Recht auf Bildung oder die Übernahme von Unterrichtsausfällen durch Eltern. Hier findet ein schleichender Rückzug der politischen und öffentlichen Verantwortung aus dem Schulbetrieb statt, der am Ende dazu führt, dass die Unterrichtsqualität nicht zunimmt, sondern durch Entprofessionalisierung aller Schulprozesse nachweislich abnimmt.

„Was sind das für neoliberalistische Zeiten in denen verunsicherte und zahlende Eltern für das Recht auf Unterricht bei den Schulen bangen und kämpfen müssen während den Schülern und Schülerinnen in einem verkürzten Abitur in der Prüfung der komplette Stoff, unabhängig von systembedingten Unterrichtsausfall, abverlangt wird? Oder was ist das für ein System, bei dem die Schulen Unterricht unentschuldigt ausfallen lassen dürfen, während den Schülern beim Fehlen von schriftlichen Entschuldigungen Sanktionen angedroht werden?“, fragt sich der kritische Pädagoge.

Der Pädagoge ist der Ansicht, dass eine Schule, die nicht mehr für ihre eigene Belange eingesteht, ihre Legitimation verliert. Verkürzte Abiturzeit, Unterrichtsausfall, steigende Lehrmittelkosten für Eltern sind Zeichen für den neoliberalen Bildungsnotstand und Produkte einer zu kurz geratenen Schulpolitik. Die Schulen müssen wieder an ihren Idealen einer Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme am Bildungsprozess der Kinder ansetzten und nicht durch Verantwortungsabgabe an laienprofessionelle Eltern die Bildungshoheit und die Zukunft unserer Kinder leichtfertig verspielen.

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Evangelische Kirche misst mit zweierlei Maß

Frankfurt und Biebergemünd, 14.02.2012 (rpn). Familie Nungäßer aus Biebergemünd klagt die evangelische Kirche wegen Ungleichbehandlung bei der Urkundeneintragung ihrer Frankfurter Taufpatin an. Als die Familie aus dem Spessart ihr siebtes Kind in der ortsansässigen Kirche der Taufpatin Eva-Maria Nungäßer aus Frankfurt/Nieder-Erlenbach am 02.10.2011 hat taufen lassen erlebt sie bei der Überreichung der Taufurkunde eine unerwartete Überraschung. Pfarrer Ackermann von der Evangelischen Kirche Nieder-Erlenbach verweigert den Eintrag von Frau Nungäßer als Patin in die Taufurkunde, weil sie einer evangelisch-reformierten Kirche in Amerika angehört.

Wenn die Familie Nungäßer aus Frankfurt am Main und dem osthessischen Mittelgebirge zusammentrifft redet sie buchstäblich über Gott und die Welt. Während die eine Familie der evangelischen Amtskirche angehört, ist die ursprünglich Frankfurter Katholikin Eva-Maria Nungäßer Mitglied bei Hour-Of-Power, einer offiziellen evangelisch-reformierten Kirche in Amerika mit Dependenzsitz in Augsburg. Diese rein formale Unterscheidung hindert die Familie jedoch nicht daran, sich vom Wort Jesus Christus bei der Beurteilung der Welt inspirieren und leiten zu lassen. „Die Probleme in der Welt bedürfen vielfältiger Lösungen die in der Nächstenliebe der Menschen zueinander begründet sind und dabei ist es unerheblich bei welcher Kirche man angemeldet ist“, sagt der in Frankfurt geborene und studierte Pädagoge Ralf-Peter Nungäßer. Der Biebergemünder Familie ist es wichtig, dass der christliche Kerngedanke an ihre Kinder weitergegeben wird und dazu benötigen sie den Beistand ihrer Tante und Wahlpatin aus Frankfurt. „Jesus hat die Menschen nicht in Kirchenmitgliedschaften unterschieden, sondern alle Menschen zu seinem Abendmahl eingeladen“, resümiert Angela Nungäßer, die ebenso in Frankfurt am Main geborene Homöopathin und Mutter von sieben getauften Kindern. „Ich verstehe das gar nicht“, sagt Eva-Maria Nungäßer, „ich bin offizielle und in den Taufurkunden eingetragene Patin von vier evangelisch getauften Kindern. Und jetzt verweigert mir der Pfarrer das Taufamt, nur weil ich nicht in der Amtskirche bin? Wie kann die Kirche hier mit zweierlei Maß urteilen?“ Und tatsächlich, die Taufpatin wurde sowohl von der Evangelischen Festeburgkirche in Frankfurt am Main als auch von der Gründauer Evangelischen Bergkirche sowie von der Biebergemünder Evangelischen Kirche, beide aus dem Main-Kinzig-Kreis, als Patin in die Taufurkunden ihrer drei Großneffen und Großnichten eingetragen. Lediglich Pfarrer Ackermann von der Evangelischen Kirche Nieder-Erlenbach in Frankfurt reiht sich aus diesem turnusgemäßen Verwaltungsvorgang mit der Verweigerung des Eintrags als Taufpatin aus. Als Begründung gibt er an, dass Frau Eva-Maria Nungäßer als Mitglied einer Amerikanischen evangelisch-reformierten Kirche kein Patenschaftsamt ausführen dürfe und somit nur als Taufzeugin eingetragen werden könne. Anschließende Bitt- und Beschwerdebriefe der Familie bis hoch zum Evangelischen Regionalverband prallten an den bürokratischen Betonköpfen der Kirchenleitung ab. „Offensichtlich dürfen Tendenzbetriebe willkürlich entscheiden was Recht und Unrecht ist. Das sind mittelalterliche Methoden, bei der selbst die Evangelen den päpstlichen Katholiken in nichts nachstehen“, ärgert sich Herr Nungäßer. „Wir werden nun noch mit unserem Anliegen bis zur Evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau vordringen. Wenn das nichts mehr nutzt, dann werden wir allesamt aus der Amtskirche austreten und uns freikirchlich organisieren“, gibt Frau Nungäßer an. „Es kann doch nicht sein, dass die Kirchen, die allesamt den Anspruch formulieren, sich auf Jesus Christus zu berufen, in bessere und schlechtere Christen unterscheiden. Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Glauben zu tun, sondern nur noch mit dem Erhalt überholter bürokratischer Machtstrukturen“, erklärt Eva-Maria Nungäßer. Hier muss sich die Evangelische Kirche dem Vorwurf stellen, ein Gleichheitsprinzip verletzt zu haben, nämlich den gleichen Vorgang verwaltungstechnisch unterschiedlich zu behandeln. In der säkularen Welt wäre dies ein Fall für das Verwaltungsgericht. Die Kirche hat in dieser Hinsicht noch Aufklärungsbedarf gegenüber seinen Kirchensteuerzahlern.

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Tutor des Jahres 2012

Biebergemünd, 01.02.2012 (rpn). Der Bundesweite Fernstudientag als Initiative des Fachverbandes Forum DistancE-Learning veranstaltet sein diesjähriges Voting zum Tutor des Jahres 2012. Am 24.02.2012 wird das Ergebnis dieser Wahl auf der Internetseite www.fernstudientag.de Bekannt gegeben. Der Fernlehrer Ralf-Peter Nungäßer ist einer von 28 Nominierten, der hofft, diesen begehrten Preis entgegennehmen zu dürfen.

Eine Studierende des Fernlehrgangs Erziehungsberatung schreibt als Nominierungsgrund:

“Ich finde, dass Herr Ralf-Peter Nungäßer den Titel „Tutor des Jahres“ verdient hat! Ich habe „nur“ online Kontakt mit ihm aber man hat den Eindruck, dass er persönlich in der Nähe ist, fast wie im normalen Unterricht den man sonst kennt. Herr Nungäßer scheint immer parat zu sein: Stelle ich eine Frage, wird diese auch innerhalb eines Tages beantwortet – spätestens! Auch die Einsendeaufgaben werden von ihm sehr zeitnah korrigiert und zurück geschickt (meistens innerhalb einer Woche). Außerdem geht Herr Nungäßer sehr gezielt auf die Fragestellungen ein, darüber hinaus sind freundliche Worte und Motivierungen bei ihm immer zu finden! Herr Nungäßer erklärt auch genau, wenn man Einwände von ihm nicht nachvollziehen kann. Er schreibt nicht „Das ist so nicht korrekt, dass muss so und so“. Nein! Er schreibt „Das ist nicht ganz korrekt so, da müsste noch dies und dies hinzugefügt werden, weil…“ „oder aus diesem Grund. “Bei Herrn Nungäßer habe ich das Gefühl, dass man miteinander arbeitet und lernt. Man bekommt nicht das Gefühl eines Lehrer-Schüler Kontakts. Man befindet sich eigentlich auf einer gleichen Ebene. So ein Gefühl und Spaß am Weitermachen können nur wenige „Lehrer/Tutoren“ vermitteln. Vielen Dank dafür!” (Quelle: http://www.fernstudientag.de/publikums-voting/tutor-in-des-jahres , Stand 01.02.2012)

Das zur Nominierung angesetzte Interview des Fernstudientages mit Ralf-Peter Nungäßer wird hier in seiner vollen Länge dargestellt:

FST (Fernstudientag): Was machen Sie, wenn Sie nicht als Fernlehrer arbeiten?

Bei dieser Frage muss ich in zwei Kategorien unterscheiden: 1. In den beruflichen und 2. In den privaten Bereich. Im beruflichen Bereich betreibe ich als Diplom-Pädagoge ein Bildungsbüro zur Konzeptionierung von Fernlehrgängen, zur Korrektur und Begutachtung von Einsendeaufgaben und Abschlussarbeiten. Weiterhin gebe ich für Fernlehrgänge als Dozent entsprechende Präsenzseminare. Auf dem privaten Sektor bringe ich gemeinsam mit meiner Frau sieben Kinder durch das Leben und wir geben in dieser Hinsicht auch Beratungen für Eltern im Bereich Familienmanagement. Alles in allen kann ich davon reden, dass es in meinem Leben eine ganzheitliche privat-professionelle Verzahnung von Pädagogik und Liebe gibt. 

FST: Warum sind Sie Fernlehrer geworden? Was reizt Sie daran?

Als gelernter Pädagoge habe ich die Fort- und Weiterbildung praktisch von der Pike auf gelernt. Die Idee, Fernlehrer zu werden ist in mir gereift, nachdem ich als Konzeptionist für Fernlehrgänge gemerkt habe, dass sich Lehr- und Lernprozesse über das DistancE-Learning fachlich und sachlich wesentlich flexibler sowohl im Timing als auch im Setting gestalten lassen als reine Präsenzseminare. Fernlehrer zu sein orientiert sich in diesem Sinne mehr an der Sache als an der Person, welche für ihren selbstorganisatorischen Lernprozess nach dem konstruktivistischen Konzept selbst verantwortlich zeichnet. Mein Selbstverständnis als Fernlehrer lebt von der Überzeugung, dass es sich wesentlich besser an der Sache, also an fachlichen Inhalten, lernen lässt, wenn die kommunikativen Störrungen auf der Beziehungsebene wegfallen. Das ist das reizende am Beruf des Fernlehrers: Fachliche und sachliche Begleitung des Lernenden. 

FST: Was ist für Sie das Besondere am Fernlehrer-Dasein?

Wie bereits oben aufgeführt, ist das Besondere am Fernlehrer-Dasein die Tatsache, dass ich mich im Lernprozess als fachlicher und sachlicher Begleiter und Berater sehe, ohne mich dabei auf die kommunikativen Beziehungsstörungen in einem Lernprozess einlassen zu müssen, die zwangsläufig durch das Setting und das direkte Miteinander entstehen können. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ich orientiere mich rein an der fachlichen und sachlichen Darstellung des Lernstoffes, so dass ich nur Inhalte reflektieren muss und keine Kommunikation. Dieser Part ist zwar auch wichtig im Lernprozess, wird jedoch im dualen System der Ausbildung dann in den Präsenzseminaren aufgegriffen und ggf. thematisiert. Bis dahin jedoch können sich beide Lernpartner, Studierender und Fernlehrer, auf den Stoff konzentrieren. Das ist das eigentlich Reizende daran. 

FST: Auf welchen Wegen stehen Sie mit Ihren Fernstudierenden im Kontakt? Und wie gestalten Sie die Kommunikation mit ihnen?

Die Kommunikationswege mit den Studierenden gestalten sich sowohl über das Telefon, die Einsendeaufgaben und die Onlineplattformen der jeweiligen Fernlehrinstitute. Bei der Telefonie lassen sich rasch Fachfragen und Diskussionsstände zum Thema mit den Studierenden austauschen. Die Einsendeaufgaben dienen hier als schriftliche Darstellungsform des gegenseitigen fachlichen Austauschs. Hier entsteht der eigentliche begleitete Lernprozess durch die fachlichen und persönlichen Worte. Chats und Foren dienen hierbei als hervorragende ergänzende Möglichkeiten auch mit Außenstehenden in Kontakt und Austausch zu treten. Ganz gleich auf welchem Wege die Kommunikation des Lernprozesses stattfindet, stets ist es wichtig, den richtigen mündlichen und schriftlichen Ton zu treffen, der in seiner Qualität nicht weniger wichtig ist wie in der Face-To-Face-Kommunikation. Zuletzt sind dann noch die Webinare (Web-Seminare) zu erwähnen, die zwar noch nicht so sehr im Fernlehrprozess eingesetzt werden, aber in Zukunft an Bedeutung zunehmen werden, da hier virtuelle Klassenräume generiert werden können, durch diese es möglich ist, viele Menschen gleichzeitig an einem gemeinsamen Thema virtuell und visuell arbeiten zu lassen. 

FST: Was glauben Sie, welche Bedeutung haben Sie für die Fernstudierenden?

Die Bedeutung des Fernlehrers ist nicht zu unterschätzen. Landläufig ist man ja immer noch der Meinung, dass der Fernlehrer nur korrigiert. Das ist jedoch falsch. Die Korrektur ist lediglich ein Instrument des Fernlernens. Allein die oben angeführten Kommunikationswege als hauptsächliche Instrumentarien des Lernprozesses zeigen auf, dass das Lernen für Studierende ein hochkomplexes System darstellt, innerhalb dessen sie multifunktionalen Zugriff auf das Know-How des jeweiligen Fernlehrers haben können. Lernen ist somit multididaktisch und fördert das Netzwerkdenken und –verhalten der Studierenden. Studierende sind also nicht nur auf sich selbst gestellt und wurschteln eigenbrötlerisch vor sich hin, sondern sie sind eingebunden in ein funktionales System von potenziellen und vielfältigen Lernsettings. Daher ist der Fernlehrer nach meinem Verständnis ein Navigator des Lernprozesses für den Studierenden, auf den der Studierende jederzeit zugreifen kann im Gegensatz zu den konventionellen Präsenzseminaren. 

FST: Hätten Sie sich selbst gern per Fernstudium weitergebildet? Oder haben Sie das sogar bereits getan?

Da ich als Absolvent des Graduiertenstudiums der Kulturwissenschaften an der FernUniversität Hagen seit 2007 Erfahrungen mit dem Fernlernens sammeln konnte, kann ich nur immer wieder andere Menschen dazu ermutigen, diese Lernformen zu nutzen, gerade wenn man in beruflichen und privaten Zusammenhängen nicht viel Zeit hat, um kontinuierlich und alternierend an Präsenzseminaren teilnehmen zu können. Hier macht sich die flexible Zeiteinteilung des Studiums bezahlt. Die Weiterbildung via Fernstudium macht Spaß, sie ist professionell und sie ist inhaltlich sehr komprimiert, so dass man am Ende stets ein fundiertes Wissen über ein Thema hat und in handlungsbezogenen Studiengängen sogar noch Handlungskompetenzen erwerben kann. Ich selbst werde mich weiterhin ausschließlich über Fernlehrgänge weiterbilden. 

FST: Was war bislang Ihre schönste Erfahrung als Fernlehrer?

Da der Beruf des Fernlehrers mein Traumberuf ist, kann ich bislang nur über positive Erlebnisse reden. Es ist immer wieder erfreulich zu erfahren, wenn Studierende nach Abschluss ihres Studiums eine positive und persönliche Rückmeldung über ihre Erfahrung mit mir als Fernlehrer abgeben. Ebenso ist es sehr schön mit anzuschauen, wie sich Missverständnisse über die oben genannten Kommunikationswege sachlich und fachlich relativ konfliktfrei lösen lassen. Aber auch die während des Studiums angeführten positiven Bemerkungen über meine Korrekturleistungen oder Fachberatungen lassen darauf schließen, dass ich auf dem richtigen Weg bin und meine Studierenden wertschätzend behandle. Das bekomme ich von den Studierenden immer wieder zurück und das ist eine wunderbare Erfahrung. Wenn ich es nun noch schaffen könnte, in einem Fernlehrinstitut als Angestellter an der Entwicklung des Fernlehrgedankens organisatorisch mitwirken zu können, dann wäre dies gewiss die allerschönste berufliche und persönliche Erfahrung, die mir noch begegnen könnte. 

Weitere Informationen zum Thema Fernlehrer stellt der Autor bereit unter:

http://nuninews.wordpress.com/2011/05/02/fernlehrer

Stimmen Sie ab und fördern damit die Entwicklung des Fernlernens!

Hier geht es zum Voting:

http://www.fernstudientag.de/publikums-voting/tutor-in-des-jahres

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Glaube

Biebergemünd, 17.01.2012 (rpn). Glaubensfragen aller Art beschäftigt die Menschheit seit je her. Ob der Glaube an Gott oder an materielle Dinge, an das Gute oder ans Böse usw., die Beweggründe für den Glauben an alles Mögliche liegen verborgen im Bewusstsein des Individuums über sich selbst, von der Welt und von der Interaktion untereinander. Nichts hat die Menschen im Laufe der Historie mehr polarisiert als die Ideologisierung des Glaubens und nichts beeinflusst den Alltag nachhaltiger als Glaubensbekenntnisse und Glaubenssätze. Dem Glauben liegen zwei widerstreitende Kräfte inne: die Destruktion und die Konstruktion. Welche der beiden Parteien am Ende siegen mag, ist, gemäß der Weisheit letzter Schluss, auch wiederum nur eine Glaubensfrage.

Der Mensch ist durch seine kognitive Begabung zur Beurteilung der Welt neben dem Instrument seines Bewusstseins und den philosophisch anerkannten Erkenntnismethoden auch an Glaubenssysteme gebunden. Der Glaube an etwas wird gesteuert durch die eigene Einstellung gegenüber äußeren Bedingungen sowie durch die Beeinflussung von außen. Die Beurteilung der Welt durch das Individuum erfolgt somit durch das ureigene Glaubensbekenntnis an etwas Ideelles oder Dingliches. Doch was ist eigentlich Glaube? Der Glaube ist ein Gedankensystem der Wirklichkeitskonstruktion. Das woran der Mensch glaubt, ist für ihn integraler Bestandteil der Begründung seiner menschlichen Existenz mitsamt seinen Haltungen und Handlungen. Hieraus bildet das Individuum seine ureigenen Glaubenssätze. Der Mensch glaubt, also ist er, und zwar das was und wie er glaubt. Mit einfachen Worten: Das Glauben an etwas ist für den Glaubensträger Wirklichkeit. Dabei spielt der Inhalt des Glaubens keine allzu große Rolle. Das was den Glauben ausmacht ist die persönliche gedankliche und emotionale Bindung an den Inhalt. Nicht der Inhalt wird somit zum Fokus des Glaubens, also die Sache an sich, sondern allein die moralische Bewertung des Inhalts, also die Intensität des Glaubens an den Wert des Inhalts. Dies ist dann als Prozess der Ideologisierung des Glaubens zu werten, also als Überbewertung des eigenen Glaubens gegenüber den Glaubenssätzen anderer Menschen. Ob die Inhalte des Andersgläubigen sachlich richtig gegenüber den eigenen Glaubenssätzen sind spielt beim Durchsetzen des eigenen Glaubens keine wesentliche Rolle und wird sogar willentlich ignoriert, um eine egozentrische Aufwertung der eigenen Meinung und eine diffamierende Abwertung des Andersdenkenden zu bewirken. Die meisten Menschen glauben lieber ungeprüft an etwas anstatt sich mit fundiertem Wissen auseinanderzusetzen, denn letzteres benötigt logisches und analytisches sowie dialektisches und differenziertes Denken, was dem Gläubigen durch seine einseitig monokausalen Denkstrukturen gänzlich fehlt. Dieser Sachverhalt ist im Alltag immer wieder sehr plastisch zu beobachten. Grundsätzlich glauben wir alle daran, dass wir fehlerfrei sind und all die anderen Idioten Schuld an einer bestimmten Misere sind. Das ist einfach und bedarf keiner aufwendigen Überprüfung. Allein der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit dient als Rechtfertigung für das vermeintliche Fehlverhalten anderer. Hier lautet das Motto: Ich glaube, also bin ich besser. Eine weitere Fehlsteuerung des Glaubens gegenüber besseren Wissens ist die Tatsache, dass praktisch an alles geglaubt werden kann. Die Glaubensgedanken sind frei und der Gläubige praktiziert dies auch lebhaft in seiner Umwelt. Die Zurschaustellung des eigenen Glaubens an Gott und die Welt ohne fundierte Kenntnisse vom Sein und Wirken der Dinge in der Realität ist eine der weit verbreiteten Irrhandlungen von Menschen, welche in ihrer Konsequenz von Missverständnissen, Diffamierungen, Diskriminierungen und Vorurteilen zeugen. Als beliebte Beispiele dienen hier die stereotypisierten Negativbeurteilungen wie „ich glaube, der Kollege ist …“, „ich glaube, die Nachbarin ist …“, “ich glaube, der Chef ist…“,“ich glaube, der spinnt…“ und so weiter. Am Ende zählt nicht was wirklich ist, sondern was als wahr geglaubt wird. Hier lautet das Motto: Ich glaube, also ist das wahr. Weiterhin finden wir noch das unanfechtbare Glaubenssystem an den Mammon und an seine materiellen Artverwandten. Der Glaube an das Geld und an einen unbegrenzten materiellen Reichtum mit seinen Begleiterscheinungen der Ausbeutung der ökonomischen, ökologischen und humanen Ressourcen des Planeten ist durch seinen Risikofatalismus bei paralleler Zerstörung der Lebensgrundlagen die gefährlichste Glaubenshaltung der gesamten Menschheit. Hier spielen sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft durch interessenssichernde und lobbyistische Machtansprüche brav in die Hände und marschieren gedeckt von Polizei und Militär unbeirrt gegen jeden andersdenkenden Widerspruchsgeist. Daneben ist da noch der Glaube mit religiösem Hintergrund als Widersacher der Vernunft zu identifizieren. Hier finden wir neben dem irrsinnigen Aberglauben, dem Glauben an Dinge die es faktisch nicht gibt, weitere radikal-fundamentalistische Glaubensfanatiker was sich allein schon in der arroganten polarisierenden Haltung des Papstes mit seinem omnipotenten Wahrheitsanspruch gegenüber andersgläubigen Christen zum Ausdruck bringt. Weiterhin finden wir die militant-puritanischen Protestanten aus den Reihen der amerikanischen Republikaner oder die islamistischen Gotteskrieger mit ihrem Rechtsanspruch an der göttlichen und säkularen Wahrheit gleichsam. Bei all diesen Glaubensfanatikern zählt nicht eine auf rational begründeten Erkenntnisprozessen gesteuerte Kooperation sondern einzig die Destruktion des Anderen. Das Motto dieser Glaubensrichtung lautet frei: Ich glaube, also habe ich Macht. In diesem Sinne besticht das destruktive Bild durch die Ultima Ratio: Der irrationale Glaube ist der Mörder der rationalen Vernunft – homo homini lups! Zuletzt ist da aber Gott sei Dank noch eine neue Glaubensrichtung am geistigen Horizont der Menschheit erkennbar: Der Glaube an das Positive Denken. Hier erzeugt der Glaube die Krönung seines Selbstverständnisses. Der Glaube an das Gute erhebt sich als Kontrapunkt zum Glauben als reine irrationale Wahrheitsrechtfertigung. Der Glaube avanciert zum Synonym für alles Gute, für das Positive und Konstruktive. Hier strebt erstmals eine neue rationale Macht mit naturgegebener Autorität empor. Der Glaube erhebt sich als Zuversicht der Niederkunft des Reiches Gottes im Sinne einer guten, für alle Menschen auf kooperativer Ebene nützlichen und schöpferischen Entwicklung. Der Glaube an das wahre Gute, an das existenziell positive, an das wohlwollend und liebend schöpferische Gottes ist die einzige legitime Daseinsform des Glaubens. Sie gebärdet sich weder machtvoll noch herrschaftlich, sie unterdrückt nicht und wächst doch fort und fort, wirkt unaufhaltsam auf die Evolution der Menschheit hin zu einem Wesen welches im Glauben an die schöpferischen Gesetze des Universums den Menschen für den Menschen da sein lässt. An dieser Stelle vereinen sich die Kernaussagen aller Religionen zu einer spirituellen Wahrheitserkenntnis: Der Glaube ist der Same der Schöpfung und des Heils!

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© 01/2012 by NUNI-NEWS – Ralf-Peter Nungäßer

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Eheanalyseprogramm

Biebergemünd, 02.12.2011 (rpn). Eine Entwicklung der emotionalen, sozialen und wirtschaftlichen Kälte in Deutschland und der damit einhergehenden persönlichen Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit führt in Folge dessen zu einer Abnahme der Ehebereitschaft bei paralleler Zunahme der Scheidungsraten sowie zu einem spürbaren Geburtenrückgang. Die aufgrund der äußeren Umweltbedingungen geführte Sozialisation der Unzufriedenheit hat negative Auswirkungen auf das individuelle und Partnerschaftsverhalten. Unzufriedenheit ist ein Mangelzustand den der Mensch abzustellen versucht unter anderem dadurch, dass er die Erwartungen der persönlichen Zufriedenheit auf den Partner überträgt. Wenn jedoch zwei Partner die gleichen Ansprüche aneinander stellen besteht die Gefahr einer Interessenskollision mit Krisenfolge und Trennungseffekt. Doch diese Entwicklung muss nicht zwangsläufig so verlaufen. Ein von den Familienmanagern Ralf-Peter und Angela Nungäßer entwickeltes und evaluiertes Eheanalyseprogramm (EAP) verhilft den Partnern in einem autonomen Reflexionsverfahren zu verstehen, welche Mechanismen in der Ehe wirksam sind, um bei einer Ehekrise geeignete Selbstheilungsprozesse einleiten zu können. Das EAP ist dabei als ein lebenspraktisches Instrumentarium des Familienmanagements zu verstehen.

Eheprobleme gehören zum Alltag. Das ist als solches noch keine große Erkenntnis oder gar eine Erwähnung wert. Interessant wird es erst durch die Art und Weise des Umgangs vor, während und nach einem Konflikt. Die Ursachen der Probleme und Konflikte liegen nach psychologischen und systemischen Erkenntnissen primär in den divergierenden Zielsetzungen der jeweiligen Ehepartner. Dabei speisen sich die Zielsetzungen aus den Elementen der verschiedenen tragenden Säulen einer Ehe, die zwar für alle Eheleute die Basis ihrer Ehe darstellen und somit für beide Partner die gleiche Gültigkeit haben aber je nach Interesse von den Ehepartnern unterschiedlich gewichtet werden. Wie tragfähig also eine Ehe ist, das hängt vornehmlich vom Verständnis des Einzelnen von der Statik der Säulen ab, also davon wie bewusst oder unbewusst die Säulen und dessen einzelne inhaltliche Elemente im Umgang miteinander gelebt werden. Gibt es demnach entweder einen gemeinsamen Willen die Säulen der Ehe mit von beiden Partnern erarbeiteten und festgelegten Inhalten zu füllen und somit zu stabilisieren, oder füllt die Säulen ein jeder der Ehepartner mit seinen eigenen Vorstellungen, Ansprüchen und Anforderungen und sorgt in Folge dessen für ein instabiles Ehesystem, danach richtet sich letztlich die Qualität der Kohäsion einer jeden Ehe aus.

Schauen wir uns bei dieser Gelegenheit einmal die tragenden Säulen einer Ehe an. Säulen als Stützpfeiler eines Gegenstandes bedürfen einer stabilen Architektur, damit das Gebilde gehalten werden kann, also tragfähig ist. Für das Gebilde Ehe lassen sich sechs Säulen identifizieren, die sowohl jede für sich eine tragfähige statische Architektur aufweist und dabei auch im Zusammenspiel miteinander eine weitere dynamische Statik herstellen. Die erste Säule ist das Selbst. Sie beinhaltet alles was das Ich und dessen Entwicklung, Einstellungen und Verhalten ausmacht. Diese Säule beschreibt das Handeln des Ich in der Welt. Bei der zweiten Säule handelt es sich um den Partner. Diese Säule bezieht sich Grunde, wie die erste Säule auch, auf das Selbst des Partners, nur mit dem Unterschied, dass dieses Partner-Selbst vom anderen Ehepartner eingeschätzt wird. Sie umfasst die Wahrnehmungen der Handlungen und Einstellungen usw. des anderen Ehepartners. Beide Säulen unterscheiden sich dabei zum einen in der Beurteilung der Selbsteinschätzung und zum anderen in der Fremdeinschätzung der Persönlichkeiten und Charakteren und haben mit Bezug auf die Stabilitätskriterien der Ehe vor allem in der Menge der Gemeinsamkeiten eine wichtige Bedeutung für das Bindungsverhalten der Ehepartner untereinander. Die dritte Säule umfasst die Institution der Ehe. Sie bezieht ihre Inhalte unter anderem durch die Funktionen Arbeitsteilung, Reproduktion oder Rollenübernahme, die die Ehepartner jeweils im gegenseitigen Einvernehmen aushandeln und übernehmen. Als vierte Säule lässt sich die Familie identifizieren. Hier erhält diese Säule ihre Inhalte über die Ursprungsfamilien und die Beziehungsstrukturen zwischen den Familien. In dieser Säule werden auch die Einstellungen, die jeder Ehepartner aus der Ursprungsfamilie mitbringt, untereinander gelebt und angeglichen. Die fünfte Säule betrifft den Nachwuchs und beinhaltet die Verantwortungsübernahme für Erziehung und Entwicklung der Kinder. Hier werden sowohl die unterschiedlichen Anschauungen über das was Richtig und Falsch ist zwischen den Ehepartnern ausgehandelt als auch die Anforderungen aus der institutionellen Umwelt mit den Familienwerten. Bei der letzten Säule handelt es sich um das Sozialisationsumfeld der Ehe. Diese Säule wird mit Inhalten aus den Anforderungen der gesamten Umwelt beider Ehepartner sowie der gesamten Kernfamilie gespeist. Insgesamt beinhalten die Säulen ergänzend zu den angegebenen Elementen weitere differenzierte Aspekte, die die Konsistenz der Ehe bedingen.

Das Eheanalyseprogramm (EAP) basiert auf den differenzierten Inhalten der Ehesäulen. Es ist zwar für Beratungsinstitutionen als Anamneseinstrument innerhalb professioneller Eheberatung anwendbar. Es wurde neben dem anamnestischen Instrument jedoch primär als Interventionswerkzeug zur Initiierung von Selbstheilungsprozessen für Ehepartner in Krisensituationen entwickelt. Dabei arbeitet das EAP phasenbezogen und gibt einen strukturierten Verlauf zur Bewältigung der Krise vor. Den Phasen vorgeschaltet ist ein Prolog, welcher beiden Ehepartnern noch während der heißen Phase der Krise die Gelegenheit eröffnet sich zum einen die Erkenntnis zuzugestehen, dass man sich in einer Ehekrise befindet und zum anderen ungefiltert darüber zu äußern, ob und warum man sich nun dem EAP widmet und was man sich davon verspricht. Im ersten Schritt der Informationssammlung analysiert das EAP zunächst wertfrei die bestehende Situation der Ehe unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Säulen (Ist-Zustand). Die zweite Phase initiiert einen Differenzialvorgang bei dem die Analyseergebnisse aus der ersten Phase miteinander verglichen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ehepartnern ohne Rechtfertigung identifiziert und transparent gemacht werden. In der dritten Phase wird der Prozess der Erläuterungen bestehender Haltungen eingeleitet. In diesem Prozess ist es möglich, ohne Vorwürfe dem anderen Partner gegenüber Begründungen zu den eigenen Einstellungen, Haltungen, Sichtweisen und Bewertungen zu den Situationen der jeweiligen Säulen sowie gegenüber dem Ehepartner zu finden und zu äußern. Phase vier ist die Idealisierungsphase, in der die Ehepartner ihre Wünsche darüber vorbringen, was sie wollen und wie sie sich vorstellen, die Ehe wieder arbeitsfähig und vertrauenswürdig zu machen sowie einen liebevollen Umgang herzustellen. Zuletzt wird in der fünften Phase die gemeinsame Lösung erarbeitet, in dem man die dysfunktionalen Säuleninhalte wieder mit funktions- und tragfähigen fähigen Ideen, Handlungs- und Umgangsweisen auffüllt, um die Ehe nachhaltig zu stabilisieren. Ein Epilog der EAP sorgt dafür, dass beide Ehepartner noch einmal über den Prozess reflektieren und zuletzt noch unkommentiert ihre Wünsche und Befürchtungen bezüglich der erarbeiteten Lösung äußern können. Die gemeinsame Bearbeitung der Phasen erfolgt nach einem vorgegebenen Schema von der Sprach- und Umgangsreglung über die Beantwortung teilstandardisierter Fragebögen bis hin zur Präsentation der Lösungen und der Festlegung der Umsetzungsmodalitäten an die sich beide Ehepartner halten. Die Grenzen dieses Verfahrens liegen im mangelnden Willen eines oder beider Ehepartner, sich auf ein gemeinsames Krisenlösungsverfahren einzulassen. In diesem Fall kann das EAP von einem Eheberatungsinstitut flankiert werden. Bei konsequenter Anwendung des EAP steht am Ende eine autarke und miteinander erarbeitete Lösung der Krise, bei der beide Ehepartner durch das Erlebnis des gemeinsamen Analysestudiums ihrer Ehe Verständnis, Verantwortung und auch Liebe füreinander empfinden werden oder alternativ einen gemeinsam ausgesprochen Schlussstrich ziehen können ohne den durch unverarbeitetes Unverständnis füreinander bedingten Trennungsschmerz.

Insgesamt ist dieses Instrument des Familienmanagements eine Möglichkeit, die Beziehungen und Funktionen der Ehe zu analysieren und gegebenenfalls lösungsorientiert zu modifizieren. Die Vorgehensweise gibt den beiden Ehepartnern ein nützliches Verfahren an die Hand mit dem sie selbstbestimmt die Zeitspanne, Inhalte und Lösungen bearbeiten und festlegen können. Neben der Langzeitanalyse dient dieses Programm auch als Akutinstrument, um aktuelle Missstimmungen, Störungen und Dysfunktionen innerhalb der jeweiligen Ehesäulen zu identifizieren und mit Kurzlösungen zur Stabilisierung einer missbilligenden Akutsituation zu versehen. Das EAP wirkt selbstheilend und schont die Ressourcen der Ehepartner bei der Krisen- oder Konfliktbewältigung. Letztlich lernen beide Ehepartner ein vertrauenserweckendes Verfahren kennen welches frei von gegenseitigen Schuldzuweisungen wirkt und bei dem das EAP das Selbstbewusstsein der jeweiligen Partner nachhaltig stärkt.

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© 12/2011 by NUNI-NEWS – Ralf-Peter Nungäßer

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